Am vergangenen Sonntag erschien im SPIEGELonline ein Kommentar von Christian Stöcker mit dem Titel „Die Welt wird besser – es will nur keiner glauben“.
Auch mir begegnen immer wieder Sätze wie „Früher war alles besser“ oder „Es wird irgendwie immer alles schlimmer“ und auch ich stelle mir oft die Frage, ob das wirklich so ist. Wenn ich mich umschaue sehe ich volle Geschäfte in der Innenstadt, den Postboten, der mehr Pakete eines einschlägigen Versandhauses als Briefe in seinem Auto hat, Restaurants die voller Menschen sind und vieles Weitere.
Natürlich sehe ich auch die Obdachlosen in der Stadt, Menschen, die sich ihr knappes Haushaltsgeld mit dem Sammeln von Pfandflaschen aufbessern und weitere Dinge. Was soll ich nun glauben?

Stöcker zitiert aus verschiedenen Büchern von Hans Rosling, Steven Pinker oder berichtet von der Website „Our World in Data“, die von dem Ökonomen Max Roser betrieben wird.
Als kleines Beispiel soll hier nur die Zahl der Kinder unter fünf Jahren dienen, die im Jahr 2016 verstorben sind. Diese Zahl liegt bei ungefähr fünf Millionen! Dies ist eine enorm hohe Zahl mit schlimmen Schicksalen, die sich hinter dieser Zahl verbergen. Im Jahr 1990 betrug die Zahl jedoch noch über elf Millionen! In in 26 Jahren hat sich die Kindersterblichkeit also mehr als halbiert! Dies sollte uns trotz allem Ansporn sein, die Zahl noch weiter nach unten zu bringen, aber uns auch verdeutlichen, dass wir bereits auf einem guten Weg sind.

Dies ist nur ein Beispiel aus diesem Artikel, der sich aber bei beliebig vielen Themen fortsetzen ließe. Warum aber haben wir so große Probleme damit, positive Veränderungen zu kommunizieren oder gar zu begreifen?
Kurz gesagt: ich weiß es nicht, werde aber einmal ein paar Thesen aufstellen, was nach meiner Meinung dazu beiträgt:

  • Durch die Schnelligkeit und globale Verfügbarkeit von Informationen sind wir in der Lage, Ereignisse zu verfolgen, von denen wir in der Zeit vor dem Internet niemals erfahren hätten.
  • Schlechte Nachrichten verkaufen sich seit jeher besser als gute Nachrichten.
  • Verschiedenste Gruppen, Parteien oder Interessenverbände gewinnen ihren Zuspruch aus einer Gefühl der Verunsicherung oder gar der Angst heraus und haben somit auch ein Interesse, dieses Gefühl zu erzeugen oder zu verstärken.
  • Die Gesellschaft an sich ist immer mehr auf das „Ich“, als auf das „Wir“ bedacht. Wenn ein Anderer etwas besitzt, was ich nicht habe, fühle ich mich schlecht und ungerecht behandelt.

Nun bleibt es jedem überlassen, ob er diese Thesen von mir teilt oder denen vehement widerspricht. Ich erhebe weder einen Anspruch auf Richtigkeit, noch auf Vollständigkeit…

Ein Beispiel aus meinem persönlichen Empfinden ist auch der Wahlkampf zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Nahezu alle Parteien haben vor irgendetwas gewarnt. Die einen vor der Islamisierung Deutschlands, andere vor dem Zusammenbruch des Sozialstaates oder der voranschreitenden Globalisierung. Nicht eine Partei hat aber gesagt, was in den vergangenen Jahren positives erreicht werden konnte. Gerade Parteien, die die vier vorangegangenen Jahre an der Regierung waren und viele gute Dinge auf den Weg gebracht haben, hätten hiermit doch werben können, oder sehe ich das falsch?

Aus meiner Sicht sollten wir bei Weitem nicht alles durch eine rosane Brille sehen, aber vieles vielleicht mit weniger Emotionen und mit mehr Sachlichkeit.