Enttäuscht oder einfach nur in der Realität angekommen?

Vor kurzer Zeit habe ich nach einiger Zeit wieder einmal einen guten Bekannten getroffen, mit dem ich schon viele schöne Begegnungen hatte und den ich sehr schätze. Immer wieder konnten wir gemeinsam vieles erreichen und so manches Problem lösen. Ich freute mich sehr auf dieses Wiedersehen, auch wenn es wieder einmal nur zwischen „Tür und Angel“ stattfinden konnte.
Oft schon hatten wir diese kurzen Begegnungen, die ich immer sehr genossen habe. Neben dem beruflichen gab es immer wieder die kleinen privaten Gespräche über dies und das. So auch in der letzten Woche…

Als wir auf diesen Blog zu sprechen kamen und ich ihm meine Beweggründe darlegte, diesen zu schreiben fiel der Satz, der mich bis heute noch sprachlos sein lässt: „Ehrlich gesagt habe ich auch im letzten Jahr die AfD gewählt, weil es ja so nicht weiter gehen kann…“
Seit ich diese Worte hörte bin ich innerlich zerrissen und schwanke zwischen Wut und Enttäuschung hin und her. Sollte ich mich in diesem Menschen derart getäuscht haben? Was mag ihn dazu bewogen haben, diese Partei zu wählen? Was bezweckte er mit seiner Entscheidung? Muss ich diese Entscheidung akzeptieren? Wende ich  mich von ihm ab?

Oft schon habe ich über die sozialen Netzwerke solche oder ähnliche Kommentare von sogenannten „Freunden“ lesen müssen, aber nun hörte ich Sie erstmals in einem persönlichen Gespräch. Bei Facebook ist es recht einfach: nachfragen, Antwort abwarten und dann im Fall der Fälle einfach aus der Freundesliste streichen. Doch nun im direkten Gegenüber?  Nachfragen hat noch geklappt und es kam auch eine Antwort. Sie lautete irgendwo in die Richtung, dass man es „denen  da oben“ mal zeigen müsse und man sonst seine Unzufriedenheit ja nicht zum Ausdruck bringen könne.

Das Gespräch endete dann aufgrund mangelnder Zeit, was mir ehrlich gesagt ganz gut in den Kram passte, da ich nicht wusste, was ich in diesem Moment tun oder sagen sollte.
Nun ist fast eine Woche vergangen und ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht. Derzeit tendiere ich dahin, die Wahlentscheidung als Protest zu werten und beim nächsten Treffen das Gespräch wieder zu suchen. Ich würde diesen Menschen nur sehr ungern verlieren und würde mich freuen, wenn er sich trotz seiner Entscheidung im vergangenen Jahr von den Zielen dieser populistischen und teilweise menschenverachtenden Partei distanzieren würde. Wenn dies nicht der Fall sein wird, muss ich neu überlegen, ergebnisoffen…

Für mich wurde in der vergangenen Woche klar, dass die Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft auch bei denen angekommen ist, die eigentlich keinen Grund haben sich zu beschweren. Es ist offensichtlich einfacher Unzufriedenheit aus dem zu schöpfen, was andere haben und mir fehlt, als Zufriedenheit aus dem was ich habe. Schade eigentlich…

 

Alles wird schlimmer – oder vielleicht doch nicht?

Am vergangenen Sonntag erschien im SPIEGELonline ein Kommentar von Christian Stöcker mit dem Titel „Die Welt wird besser – es will nur keiner glauben“.
Auch mir begegnen immer wieder Sätze wie „Früher war alles besser“ oder „Es wird irgendwie immer alles schlimmer“ und auch ich stelle mir oft die Frage, ob das wirklich so ist. Wenn ich mich umschaue sehe ich volle Geschäfte in der Innenstadt, den Postboten, der mehr Pakete eines einschlägigen Versandhauses als Briefe in seinem Auto hat, Restaurants die voller Menschen sind und vieles Weitere.
Natürlich sehe ich auch die Obdachlosen in der Stadt, Menschen, die sich ihr knappes Haushaltsgeld mit dem Sammeln von Pfandflaschen aufbessern und weitere Dinge. Was soll ich nun glauben?

Stöcker zitiert aus verschiedenen Büchern von Hans Rosling, Steven Pinker oder berichtet von der Website „Our World in Data“, die von dem Ökonomen Max Roser betrieben wird.
Als kleines Beispiel soll hier nur die Zahl der Kinder unter fünf Jahren dienen, die im Jahr 2016 verstorben sind. Diese Zahl liegt bei ungefähr fünf Millionen! Dies ist eine enorm hohe Zahl mit schlimmen Schicksalen, die sich hinter dieser Zahl verbergen. Im Jahr 1990 betrug die Zahl jedoch noch über elf Millionen! In in 26 Jahren hat sich die Kindersterblichkeit also mehr als halbiert! Dies sollte uns trotz allem Ansporn sein, die Zahl noch weiter nach unten zu bringen, aber uns auch verdeutlichen, dass wir bereits auf einem guten Weg sind.

Dies ist nur ein Beispiel aus diesem Artikel, der sich aber bei beliebig vielen Themen fortsetzen ließe. Warum aber haben wir so große Probleme damit, positive Veränderungen zu kommunizieren oder gar zu begreifen?
Kurz gesagt: ich weiß es nicht, werde aber einmal ein paar Thesen aufstellen, was nach meiner Meinung dazu beiträgt:

  • Durch die Schnelligkeit und globale Verfügbarkeit von Informationen sind wir in der Lage, Ereignisse zu verfolgen, von denen wir in der Zeit vor dem Internet niemals erfahren hätten.
  • Schlechte Nachrichten verkaufen sich seit jeher besser als gute Nachrichten.
  • Verschiedenste Gruppen, Parteien oder Interessenverbände gewinnen ihren Zuspruch aus einer Gefühl der Verunsicherung oder gar der Angst heraus und haben somit auch ein Interesse, dieses Gefühl zu erzeugen oder zu verstärken.
  • Die Gesellschaft an sich ist immer mehr auf das „Ich“, als auf das „Wir“ bedacht. Wenn ein Anderer etwas besitzt, was ich nicht habe, fühle ich mich schlecht und ungerecht behandelt.

Nun bleibt es jedem überlassen, ob er diese Thesen von mir teilt oder denen vehement widerspricht. Ich erhebe weder einen Anspruch auf Richtigkeit, noch auf Vollständigkeit…

Ein Beispiel aus meinem persönlichen Empfinden ist auch der Wahlkampf zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Nahezu alle Parteien haben vor irgendetwas gewarnt. Die einen vor der Islamisierung Deutschlands, andere vor dem Zusammenbruch des Sozialstaates oder der voranschreitenden Globalisierung. Nicht eine Partei hat aber gesagt, was in den vergangenen Jahren positives erreicht werden konnte. Gerade Parteien, die die vier vorangegangenen Jahre an der Regierung waren und viele gute Dinge auf den Weg gebracht haben, hätten hiermit doch werben können, oder sehe ich das falsch?

Aus meiner Sicht sollten wir bei Weitem nicht alles durch eine rosane Brille sehen, aber vieles vielleicht mit weniger Emotionen und mit mehr Sachlichkeit.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“

Bildquelle: FAZ.NET

Oft habe ich diesen Satz schon gehört oder gelesen und mich immer wieder gefragt: „Darf man tatsächlich?“

Am Abend der Echo-Verleihung, und eigentlich schon Tage vorher, war dieser Satz in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder zu lesen oder hören. Dies lag bekanntlich an der Nominierung des Rappers „Kollegah“, dessen mir bis dato völlig unbekannte Lied einige Zeilen enthält, welche zumindest fragwürdig, wenn nicht strafrechtlich relevant sein könnten.

Es gab große Diskussionen, ob die Nominierung aufrecht erhalten werden könne, der Ethikrat wurde eiligst zusammen gerufen und viele Menschen hatten eine Meinung. Fakt ist, dass „Kollegah“ den Echo bekommen hat und auch noch live auftreten konnte (die umstrittenene Textzeile ließ er allerdings aus… ). Begleitet wurde der Auftritt dann wohl von Pfiffen und Buh-Rufen. Ob jemand den Saal aus Protest verlassen hat oder auf die After-Show-Party verzichtet hat ist mir nicht bekannt. Das stand leider nicht in den Berichten, die ich gelesen habe.

Am gestrigen Abend wurde der Beitrag des Rappers mit der Kunstfreiheit gerechtfertigt, der Satz in der Überschrift wird fast immer mit der Meinungsfreiheit legitimiert. Dies zu beurteilen steht mir hier nicht zu. Klar ist aber, dass die sowohl Kunst-, als auch Meinungsfreiheit da ihre Grenzen haben, wo andere in ihren Grundrechten eingeschränkt werden. Und dies ist im Fall des Rappers aus meiner Sicht definitiv der Fall…

Warum aber oben das Zitat des Frontmannes der Toten Hosen? Campino hat als Punk definitiv provoziert und vielen vor den Kopf gestoßen, eines jedoch hat er nie getan: Minderheiten diskriminiert! Ich denke, er hatte den Mut hier offen zu sprechen und, wie die Reaktionen im Netz zeigen, wieder einmal zu provozieren…

Danke von mir für diesen Beitrag!

Frühling

Der Frühling ist nun nicht mehr aufzuhalten. Überall blüht es und es entsteht Neues!

Vielleicht sollten wir auch diese Jahreszeit nutzen um etwas Neues zu beginnen oder etwas Verstaubtes wieder hervor zu holen um ihm neues Leben einzuhauchen.

Oft muss man gar nicht lange suchen, oft sind die Wünsche und Sehnsüchte ganz dicht an der Oberfläche, so wie bei diesem Ast, der eine wundervolle Blüte hervorgebracht hat…

Jetzt geht es los…

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich unsere Welt, unsere Gesellschaft mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten einfach so hinnehmen soll.

Nun bin ich zu dem Entschluss gekommen, hier etwas zu den Dingen zu verfassen, die mich bewegen oder ärgern, aber auch zu Dingen, die mich erfreuen und als gutes Beispiel dienen könnten, diese Welt noch lebenswerter zu machen als sie es schon ist…

Und jetzt geht es einfach los!

derhollinde

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